Kräftig und malzig, fein und blumig oder würzig als Chai – Schwarztee ist unglaublich vielfältig. Doch warum schmeckt ein Assam ganz anders als ein Darjeeling?
Was unterscheidet Schwarztee eigentlich von Grüntee? Und was bedeuten Bezeichnungen wie FTGFOP1, TGFOP oder BOP, die man immer wieder bei hochwertigen Tees entdeckt?
Wir nehmen euch mit auf eine kleine Reise in die Welt des Schwarztees.
Schwarztee und Grüntee – gleiche Pflanze, andere Verarbeitung
Was viele nicht wissen: Schwarztee und Grüntee können von derselben Teepflanze stammen. Entscheidend für die Unterschiede in Farbe, Duft und Geschmack ist vor allem die Verarbeitung der frisch gepflückten Teeblätter.
Bei der traditionellen Herstellung von Schwarztee durchlaufen die Blätter mehrere Schritte:
1. Pflücken
Für hochwertige Tees werden bevorzugt junge Blätter und Blattknospen geerntet. Häufig spricht man dabei von „two leaves and a bud“ – also zwei jungen Blättern und einer Knospe.
2. Welken
Die frisch gepflückten Blätter werden ausgebreitet und verlieren einen Teil ihrer Feuchtigkeit. Dadurch werden sie weich und können anschließend besser weiterverarbeitet werden.
3. Rollen
Beim Rollen werden die Zellstrukturen der Blätter aufgebrochen. Der austretende Zellsaft kommt dadurch mit Sauerstoff in Kontakt.
4. Oxidieren
Jetzt entsteht ein wesentlicher Unterschied zum Grüntee: Die Teeblätter reagieren mit dem Sauerstoff. Sie werden zunehmend dunkler und entwickeln die für Schwarztee typischen Aromen.
5. Trocknen
Durch heiße Luft wird die Oxidation gestoppt und der Tee haltbar gemacht.
6. Sortieren
Anschließend wird der Tee nach Größe und Beschaffenheit der Blätter sortiert.
Beim Grüntee wird die Oxidation dagegen sehr früh durch Hitze unterbunden – beispielsweise durch Dämpfen oder Erhitzen. Dadurch behält das Blatt seine grünere Farbe und der Tee entwickelt seinen charakteristisch frischeren, pflanzlicheren Geschmack.
Kurz gesagt:
Grüntee → Oxidation wird verhindert
Schwarztee → Oxidation ist ausdrücklich erwünscht

Und was bedeutet jetzt FTGFOP?
Wer bei uns verschiedene hochwertige Schwarztees betrachtet, entdeckt manchmal scheinbar rätselhafte Buchstabenkombinationen.
Keine Sorge – das ist kein Geheimcode. 😉
Bei traditionell hergestellten Schwarztees werden solche Bezeichnungen verwendet, um Blattgrad und Blattsortierung näher zu beschreiben.
Eine bekannte Bezeichnung ist zum Beispiel:
FTGFOP
F – Finest
T – Tippy
G – Golden
F – Flowery
O – Orange
P – Pekoe
Vereinfacht gesagt weist die Bezeichnung auf einen hochwertigen Blatttee mit feinen Blattspitzen bzw. „Tips“ hin.
Weitere Bezeichnungen, die euch begegnen können:
FOP – Flowery Orange Pekoe
Ein Blattgrad mit längeren Blättern und jungen Blattanteilen.
GFOP – Golden Flowery Orange Pekoe
Enthält zusätzlich sichtbare goldene Blattspitzen.
TGFOP – Tippy Golden Flowery Orange Pekoe
Ein besonders hoher Anteil feiner Tips.
Wichtig dabei: Die Buchstaben sind keine allgemeingültige Geschmacksnote und auch kein objektives Schulnotensystem für die gesamte Qualität eines Tees. Sie beschreiben in erster Linie die Sortierung und Beschaffenheit des verarbeiteten Blattes.
Und übrigens: Das „Orange“ in Orange Pekoe bedeutet nicht, dass der Tee nach Orange schmeckt oder Orangen enthält sondern geht höchstwahrscheinlich auf das niederländische Königshaus Oranien-Nassau (Huis van Oranje) zurück. Die niederländische Ostindien-Kompanie brachte den Tee nach Europa, und der Zusatz „Orange“ sollte im Marketing für eine „königliche“, erlesene Qualität stehen.
Von Schwarztee zu Chai
Und dann wird es würzig!
Chai bedeutet ursprünglich ganz einfach „Tee“. Was wir bei uns meist als Chai oder Masala Chai kennen, ist eine aromatische Kombination aus kräftigem Tee und Gewürzen.
Typische Chai-Gewürze sind beispielsweise:
- Zimt
- Kardamom
- Ingwer
- Nelken
- Pfeffer
Als Grundlage eignet sich ein kräftiger Schwarztee besonders gut, weil sein Geschmack auch neben den intensiven Gewürzen bestehen bleibt. Chai kann pur aufgegossen werden, besonders beliebt ist er aber mit Milch oder einer pflanzlichen Alternative.
So wird aus klassischem Schwarztee ein wunderbar würziger Begleiter für kühlere Tage.

Schwarztee ist nicht gleich Schwarztee
Darjeeling, Assam oder Ceylon – hinter dem Begriff Schwarztee steckt eine enorme Vielfalt. Wer bisher einfach nur „Schwarztee“ kannte, sollte ruhig einmal unterschiedliche Herkunftsgebiete nebeneinander probieren. Oft merkt man schon beim ersten Schluck, wie groß die Unterschiede tatsächlich sind.
Darjeeling – fein, elegant und häufig blumig
Assam – kräftig, vollmundig und malzig
Ceylon – vielseitig, klar und je nach Anbaugebiet unterschiedlich im Charakter
Chai – Schwarztee trifft auf wärmende Gewürze
Und genau das lieben wir am Tee: Selbst nach vielen Jahren gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Lust bekommen, euch durch die Welt des Schwarztees zu kosten? Dann entdeckt unsere verschiedenen Schwarztees und Chai-Mischungen bei Tee Schnabel – vom feinen Darjeeling über kräftigen Assam bis zum würzig-aromatischen Chai.